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Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege im Hochsauerlandkreis warnt vor erheblichen Versorgungslücken im ländlichen Raum

Dominik Hansmeier, Vorstand des Caritasverbandes Meschede e.V., übernimmt künftig den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege im Hochsauerlandkreis (AG FW HSK). Er folgt auf Britta Kaiser vom DRK Kreisverband Altkreis Meschede, die den Vorsitz die letzten 2 Jahre innehatte.
In der Sitzung vom 22.05.2026 richtet die AG FW HSK den Blick auf die hochkritische sozialpolitische Entwicklung. Die derzeit diskutierten Reformen und Einsparvorschläge im Sozialstaat – unter anderem im Bereich des Kinderbildungsgesetzes Nordrhein-Westfalen, der gesetzlichen Krankenversicherung im SGB V sowie der Pflegeversicherung im SGB XI – bereiten der AG Freie Wohlfahrtspflege im Hochsauerlandkreis große Sorge. Zudem sind massive Kürzungen im Bereich der Familien- Jugend- und Eingliederungshilfe zu befürchten.
„Wir erleben derzeit eine Debatte, in der soziale Sicherung zunehmend vor allem unter Kostengesichtspunkten betrachtet wird. Das greift zu kurz und gefährdet am Ende genau die Menschen, die auf Unterstützung, Pflege, Beratung, Bildung und Teilhabe angewiesen sind“, erklärt Dominik Pieper Vorstand Caritasverband Arnsberg/Sundern. „Gerade in einem ländlich geprägten Kreis wie dem Hochsauerlandkreis können Einschnitte in sozialen Leistungen sehr schnell zu spürbaren Versorgungslücken führen.“
„Wenn Leistungen pauschal gekürzt, Rechtsansprüche eingeschränkt oder notwendige Kostensteigerungen nicht mehr auskömmlich refinanziert werden, dann hat das konkrete Folgen: Angebote werden reduziert, Wartezeiten steigen, Einrichtungen geraten wirtschaftlich unter Druck und ambulante Dienste können bestimmte Regionen möglicherweise nicht mehr verlässlich versorgen“, so Dominik Hansmeier.
Mit Blick auf die geplanten Veränderungen im Gesundheits- und Pflegebereich kritisiert die AG Freie Wohlfahrtspflege insbesondere mögliche Eingriffe in die Refinanzierung tariflicher Löhne. Die Einführung und Sicherung tariflicher Standards in der Pflege sei über Jahre hinweg politisch und gesellschaftlich erkämpft worden. Diese Errungenschaften dürften nun nicht wieder infrage gestellt werden.
Wer gute Pflege, gute Betreuung und verlässliche soziale Arbeit will, muss auch gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne sichern“, betont Heinz-Georg Eirund, Vorstand Caritasverband Brilon. „Das Tariftreueprinzip in der Pflege war ein wichtiger Schritt, um soziale Berufe aufzuwerten. Wenn diese Grundlage nun aus Kostengründen ausgehöhlt wird, verlieren wir Fachkräfte – und damit Versorgungssicherheit.“
Eirund stellt fest: „Das im April veröffentlichte Arbeitspapier einer Kommission von Bund - Länder- kommunaler Spitzenverbände zu Einsparungen in der Familien- Jugend- und Eingliederungshilfe, stellt zentrale Prinzipien des Sozialstaates in Frage. Individuelle Rechtsansprüche, personenzentrierte Unterstützung sowie grundlegende Strukturprinzipien wie das Wunsch- und Wahlrecht sowie das Subsidiaritätsprinzip geraten dabei erkennbar unter Druck.“
Auch die zunehmende Bürokratie belastet die Wohlfahrtsverbände erheblich. Dokumentationspflichten, Nachweisverfahren, Prüfungen und komplexe Abstimmungsprozesse mit Kostenträgern, Kreis, Landschaftsverbänden und weiteren öffentlichen Stellen binden nach Einschätzung der AG Freie Wohlfahrtspflege immer mehr personelle und finanzielle Ressourcen. Diese Aufwände würden häufig nicht ausreichend refinanziert, müssten aber von den Trägern mitgetragen werden.
„Bürokratieabbau darf kein Schlagwort bleiben. Wenn soziale Träger immer mehr Zeit und Geld in Verwaltung statt in direkte Hilfe investieren müssen, geht das zulasten der Menschen, für die diese Hilfen eigentlich gedacht sind“, erklärt Kerstin Weitemeier, Kreisgruppengeschäftsführerin des Paritätischen NRW im HSK.
„Jetzt sind auch die Spitzenverbände der Träger gefordert, sich klar und deutlich gegen einen drohenden Kahlschlag in der sozialen Infrastruktur zu positionieren“, betont Christian Korte, Geschäftsführer der Diakonie Ruhr-Hellweg. „Wir brauchen auf Landes- und Bundesebene eine starke gemeinsame Stimme der Wohlfahrtspflege. Denn wenn Einrichtungen, Dienste und Beratungsangebote vor Ort wegbrechen, lässt sich diese Infrastruktur nicht kurzfristig wieder aufbauen.“
Die AG Freie Wohlfahrtspflege im HSK fordert daher eine Reformpolitik mit Augenmaß. Notwendige Veränderungen im Sozialstaat müssten gemeinsam mit Betroffenen, Mitarbeitenden, Trägern, Kommunen und Fachverbänden entwickelt werden. Einsparungen ohne Blick auf die praktischen Folgen vor Ort seien weder sozial noch nachhaltig.
„Wir verschließen uns Reformen nicht. Aber Reformen müssen Versorgung sichern, Teilhabe ermöglichen und die soziale Infrastruktur stärken. Alles andere wäre ein Rückschritt“, sagt Hansmeier. „Im Hochsauerlandkreis haben die Wohlfahrtsverbände über viele Jahre tragfähige Hilfestrukturen aufgebaut. Diese Strukturen dürfen nicht durch kurzfristige Sparlogik gefährdet werden.“
Die AG Freie Wohlfahrtspflege im Hochsauerlandkreis appelliert an die politischen Entscheidungsträger auf Landes- und Bundesebene, die Auswirkungen der geplanten Reformen insbesondere für ländliche Räume ernst zu nehmen.
„Sozialstaat bedeutet Zusammenhalt. Wenn wir jetzt an den falschen Stellen kürzen, zahlen am Ende die Schwächsten den höchsten Preis – und die Folgekosten für Gesellschaft, Kommunen und kommende Generationen werden deutlich höher sein“, warnt Hansmeier.
Die Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege im Hochsauerlandkreis bündelt die Interessen der Wohlfahrtsverbände im Kreisgebiet. Ihre Mitgliedsverbände engagieren sich in zahlreichen sozialen Arbeitsfeldern – unter anderem in Pflege, Beratung, Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Familienunterstützung, Migration, Teilhabe und sozialer Daseinsvorsorge.
Zur Arbeitsgruppe Freie Wohlfahrtspflege für das Hochsauerland gehören die AWO Hochsauerland-Soest, die drei Caritasverbände Arnsberg-Sundern, Brilon und Meschede, Diakonie Ruhr-Hellweg, die DRK Kreisverbände Brilon, Arnsberg und Meschede und der Paritätische Wohlfahrtsverband Hochsauerland.
Mit ihren Einrichtungen und Diensten bietet die AG Freie Wohlfahrtspflege HSK eine flächendeckende Infrastruktur der Unterstützung für alle, vor allem aber für benachteiligte und hilfebedürftige Menschen, an. Ziel der AG ist ebenfalls, die Weiterentwicklung der sozialen Arbeit und die Sicherung bestehender Angebote für die Menschen vor Ort.
Wohlfahrtspflege im HSK in Zahlen
• ca. 300 Einrichtungen und Dienste
• über. 7.100 Mitarbeitende
• um die 5.700 ehrenamtlich Tätige
Tätigkeitsbereiche
• ambulante, teilstationäre und stationäre Pflege und Altenhilfe
• Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
• Kindertageseinrichtungen
• Eingliederungs- und Behindertenhilfe
• Migrationsarbeit und -beratung
• Suchtberatung
• Frauenberatung
• psychosoziale Hilfen, Betreuung und Beratung
• Bevölkerungs- und Katastrophenschutz
• Aus- und Fortbildung in Erster Hilfe
• Mutter-Kind-Kliniken
• Existenzsichernde Hilfen wie Tafeln / Warenkörbe, Kleiderkammern
Stefan Goesmann, AWO HSK-Soest
Dominik Pieper, Caritasverband Arnsberg/Sundern
Heinz-Georg Eirund, Caritasverband Brilon
Dominik Hansmeier, Caritasverband Meschede
Christian Korte, Diakonie Ruhr-Hellweg
Rita Klein, DRK Kreisverband Arnsberg
Britta Kaiser, DRK Kreisverband Meschede
Thorsten Rediger, DRK Kreisverband Brilon
Kerstin Weitemeier, Paritätischer Wohlfahrtsverband HSK
Austausch zur Finanzierung sozialer Dienste: Wohlfahrtsverbände im Gespräch mit Jörg Blöming

Die Freie Wohlfahrtspflege im Kreis Soest darf sich durchaus Hoffnungen machen, Unterstützung aus dem Infrastruktur- und Investitionsprogramm der NRW-Landesregierung in einer Gesamthöhe von 31,2 Milliarden Euro zu erhalten. Im Gespräch mit der Arbeitsgruppe Freie Wohlfahrtspflege im Kreis Soest und der Stadt Lippstadt machte der Landtagsabgeordnete Jörg Blöming (CDU) deutlich, dass freie Träger ausdrücklich in den Kreis der Empfänger dieser Fördergelder einbezogen seien. Allerdings warb er um Geduld: Das Programm laufe über zwölf Jahre, und die Förderrichtlinien würden gerade erarbeitet. „Es würde uns sehr freuen, wenn wir da auch gesehen werden“, sagte Caritas-Vorstand Bettina Wiebers.
Kerstin Weitemeier, Geschäftsführerin Paritätischer - Kreisgruppe Soest/Hochsauerlandkreis, wies als Gastgeberin des Gesprächs darauf hin, dass gerade im Bereich des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) hoher Handlungsbedarf bestehe. Endlose Personalverordnungen und zu viel Bürokratie erschwerten die tägliche Arbeit mit Kindern enorm. Das ganze System sei extrem kompliziert geworden. Jörg Blöming verwies darauf, dass bereits in den vergangenen Jahren sehr viel Geld in das System geleitet wurde. Die aktuelle Novellierung des Gesetzes zielt besonders auf eine Stabilisierung des Systems ab, um die Verlässlichkeit für Einrichtungen und Eltern gleichermaßen zu erhöhen. Wichtig sind für ihn immer die Rückmeldungen aus der Praxis. Seine Bitte „Geben sie mir Input – ich leite ihn weiter.“
Jacqueline Bartz, Fachbereichsleiterin Migration und Soziale Arbeit AWO Unterbezirk Hochsauerland/Soest, appellierte daran, die Träger sozialer Dienste bei politischen Entscheidungen stets zu beteiligen. Die gesellschaftliche Wahrnehmung sei aktuell sehr negativ und einer neuen Umfrage zufolge rechnen 82 Prozent aller sozialen Einrichtungen damit, mangels ausreichender Finanzierung zukünftig Dienste reduzieren oder ganz einstellen zu müssen. „Wir Träger der freien Wohlfahrtspflege sind in unseren Beratungsstellen ohnehin schon mit hohen Eigenanteilen belastet“, ergänzte Bettina Wiebers.
Für das gemeinsame Ziel, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, bedarf es einer auskömmlichen Finanzierung. „Wenn wir jetzt Beratungsangebote streichen, fällt uns das später vor die Füße“, so Jacqueline Bartz. Sie weiß aus langjähriger Erfahrung: „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, sind willens zu arbeiten und sich zu integrieren. Deshalb müssen wir den Fokus auf Integration, Beratung und Sprachkurse legen.“
Auch Melania Neumann, Kreisrotkreuzleiterin DRK Kreisverband Lippstadt-Hellweg, gab dem Landtagsabgeordneten die Bitte mit auf den Weg, sich für Bürokratieabbau auch im Katastrophenschutz und bei Rettungsdiensten starkzumachen. Denn der ständig zunehmende Umfang an Verwaltungsaufgaben schrecke Ehrenamtliche dort immer häufiger ab.
Jörg Blöming dankte den Vertreterinnen der heimischen Wohlfahrtsorganisationen für die Anregungen und stimmte zu, dass Nordrhein-Westfalen ein Riesenproblem mit Bürokratie habe. „Da sind wir dran, aber es liegt noch einiges an Arbeit vor uns, um schneller und besser zu werden.“
Im Dialog bleiben: Wohlfahrtsverbände im Gespräch mit Christof Rasche

Wie schaffen wir es, auch in schwierigen Zeiten die soziale Infrastruktur aufrecht zu erhalten? Unter dieser Fragestellung stand das Gespräch, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege im Kreis Soest und der Stadt Lippstadt den Landtagsabgeordneten Christof Rasche aus Erwitte empfing. Die Vertreterinnen der heimischer Wohlfahrtverbände Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt und Paritätischer schilderten dem Politiker Beispiele aus ihrer täglichen Arbeit und berichteten von zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen.
Besonderen Raum nahmen die geplanten Änderungen im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) ein, dessen vorliegender Referentenentwurf Anlass zu großer Sorge gebe. Er bedeute weniger Betreuungsqualität für die Familien sowie mehr Bürokratie bei weiterhin unzureichender Finanzausstattung für die Träger. Zudem drohe kleinen Kitas mit nur einer Gruppe das Aus, da die Mini-Einrichtungen ab Sommer 2028 keinen Sonderzuschuss mehr erhalten sollen.
Bei allem Verständnis für leere Kassen müssten zahlreiche strukturelle Dinge dringend erneuert werden, so Kerstin Weitemeier, Geschäftsführerin Paritätischer - Kreisgruppe Soest/Hochsauerlandkreis: Zudem seien immer mehr Anforderungen mit zunehmendem bürokratischem Aufwand verbunden. Dass es auch anders möglich sei, habe zum Beispiel das Alltagshelferprogramm während der Corona-Pandemie gezeigt: damals gab es schnelle und unbürokratische finanzielle Unterstützung.
Teresa Pinheiro, Fachbereichsleiterin Bildung und Erziehung Diakonie Ruhr-Hellweg, appellierte: „Wir können es uns nicht leisten, gute Dinge kaputtzusparen, die über lange Zeit aufgebaut wurden.“ Eine funktionierende soziale Infrastruktur mache das Leben nicht nur bequemer, sie sei die Basis für eine stabile Gesellschaft. Genau dafür wollen die heimischen Wohlfahrtsverbände gute Rahmenbedingungen schaffen – für Menschen aller Altersklassen: von Kita-Kindern bis hin zu Senioren in Tagespflegen
Ein weiteres Sorgenkind ist der Katastrophenschutz. Melania Neumann, Kreisrotkreuzleiterin DRK Kreisverband Lippstadt-Hellweg klagte, dass auch dort viele bürokratische Hürden für einen riesigen Aufwand sorgen. Das gelte besonders auch für Ehrenamtliche, die sich dort engagieren, um zu helfen, und nicht um Formulare auszufüllen oder Dokumentationen zu schreiben.
Christof Rasche zeigte großes Verständnis für die Sorgen seiner Gesprächspartnerinnen: „Ja, die Bürokratie explodiert. All die Regelungen machen allein für sich betrachtet vermutlich Sinn, sind aber in Summe einfach zu viel.“ Dort könne vermutlich nur ein konsequenter Schnitt helfen. Der Landtagsabgeordnete bestärkte die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft darin, Missstände immer wieder anzuprangern, gemeinsam aufzutreten und in Bezug auf die Kibiz-Pläne, konkret aufzuzeigen, welche Folgen drohen, und was das geplante Gesetz für die Qualität der frühkindlichen Bildung bedeute.
Ein Thema des Gespräches war auch das Infrastruktur- und Investitionsprogramm der NRW-Landesregierung in einer Gesamthöhe von 31,2 Milliarden Euro. Ein Anteil von 10 Milliarden Euro wird über Pauschalen an Kreise und Kommunen weitergegeben, von denen auch freie Träger und Hilfsorganisationen profitieren sollten. Auch wenn in Zeiten klammer Kassen bei Kommunen und Kreisen eine Chance auf Beteiligung an diesen Mitteln für Wohlfahrtsverbände oder Sportvereine eher gering erscheint, wollten die Vertreterinnen der heimischer Wohlfahrtverbände die Gelegenheit nutzen, um auf die wichtige gesellschaftliche Bedeutung der Infrastruktur und Angebote der Wohlfahrtsverbände aufmerksam zu machen.
„Für uns als Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege im Kreis Soest ist es wichtig, mit unseren heimischen Landtagsabgeordneten im Gespräch zu bleiben zu politischen Themen, die uns bewegen“, fasst Bettina Wiebers, Vorsitzende der Caritas im Kreis Soest zusammen. „Es gilt, immer wieder hinzuweisen auf die Situation der vielen Menschen, die Unterstützung benötigen, und auf die besonderen Herausforderungen, vor denen Wohlfahrtsverbände in ihrer täglichen Arbeit stehen.“